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"Nennt mir das Land am Rhônestrand, ist Wallis unser Heimatland..." so geht der Refrain in der Walliser Nationalhymne. In der Schweiz in Ober- und Unterwallis geteilt, erstreckt sich das Tal des Rotten durch Frankreich hindurch bis hinunter nach Avignon - Arles. Bisher kannte ich als Walliser aber nur den Teils das Wallis/Valais in der Schweiz. Nun war es an der Zeit auch den Rest mit dem Rad zu erfahren. Start der Tour war im Obergoms in Oberwald, das Ziel im Rhonedelta in Arles. Der Rotten sollte dabei als Wegweiser dienen.
Der Rotten (fr. Le Rhône) ist mit 812 km Länge nicht der längste, jedoch der wasserreichste Strom Frankreichs. Seine Abflussmenge an der Mündung ist etwa doppelt so gross wie die der Loire (1013km) und sogar dreimal so gross wie die der Seine (777 km). Der Rotten entspringt am Rhonegletscher im Kanton Wallis in der Schweiz und mündet in Port-St-Louis in der Camargue in Frankreich ins Mittelmeer.
Gletsch - Oberwald - Brig (48 km; 2h)
Start der Tour war im Quellgebiet des Rotten. Noch um 1900 reichte die Gletscherzunge des Rhonegletschers bis in die Talebene von Gletsch (1800 m.ü.M.). In etwas mehr als 100 Jahren hatte er sich auf ca. 2200 m.ü.M. zurückgezogen. Die erste Etappe führte mich entlang der jungen Rhone zuerst durch das Obergoms. Der Heimat von Cäsar Ritz - dem Gründer der Ritz Hotels in Paris, London und Madrid. Ich kam rasch voran, der motorisierte Verkehr hielt sich in Grenzen und schnell erreichte ich Brig.
Brig - Aigle (128 km; 6 h)
Der erste Teil der Route führt grösstenteils über Nebenstrassen. Leider werden diese im Raum Visp von den Autofahrern zum Umfahren des Staus in dem Städtchen verwendet. Und damit sie nicht länger fahren als dass sie im Stau stehen würden wird natürlich gerast was der Motor hergibt. Die Polizei hat da schon lange resigniert und macht schon gar keine Kontrollen mehr. Die Situation bessert sich erst ab Raron etwas. Richtig schön wird die Strecke aber erst ab Siders. Von dort verläuft die Route grösstenteils auf einem Fahrradweg entlang der Rhone. Immer diesem Fahrradweg folgend kam ich rasch nach Aigle.
Aigle - Vésenaz (85 km; 5h)
Obwohl mit der Veloland Route Nr. 1 ein ausgeschilderter Veloweg über Monthey - Lausanne - Nyon nach Genf führt, habe ich mich für die französische Genferseeseite entschieden. Es hat zwar nicht schlecht Verkehr auf der Strasse, jedoch ist diese wesentlich schöner am See gelegen. Auch das Extreme hin und her der Route Nr. 1 wird auf die Dauer nervig. Besonders wenn man nach kilometerlangen Schlaufen doch nur wieder auf der gleichen Strasse landet, einfach nur 500 m weiter vorne.
Genf - St. Genix (120 km; 6.5 h)
Natürlich habe ich mich aus der Stadt Genf hinaus ein wenig verfahren und fand mich plötzlich entlang einer 4 spurigen Strasse wieder die mich genau in die entgegengesetze Richtung führte, als geplant war. Bei der nächstmöglichen Unterführung querte ich die Strasse und befand mich wieder auf Kurs. Etwa 20 km später in einer Steigung kurz nach Chancy fing die ganze Fuhre an komisch hin und her zu eiern. Strassenbelag, Steigung? - ich fuhr weiter, erst in Petit Joux bemerkte ich den Plattfuss am Voderrad. So durfte ich nach mehrs als 8000 km mit dem Liegerad den ersten Plattfuss erleben. Der Defekt war rasch behoben und es konnte weiter gehen. Durch das Défilé de l'Ecluse, hier hat sich die Rhône (und auch die Gletscher) über die Jahrmillionen durch den Jurafels gefressen und so ihren Durchgang vom Bassin de Genève zum Bassin de Belley geschaffen, in Richtung Seysell führt die Strecke über schöne Nebenstrassen mit wenig Verkehr. Erst kurz vor Seyssel muss man wieder auf eine grössere Strasse.
Ab Seyssel bis Groslée ist der neue Fahrradweg des Projekts Du Léman à la mer stellenweise fertiggestellt. An diesem Fahrradweg könnten sich die Veloweg-Bastler in der Schweiz ein Beispiel nehmen.
St. Genix - Valence (143 km; 7.25 h)
Auf dieser Strecke verliess ich für ein paar Kilometer den Verlauf des Rotten um die Region Lyon etwas weiträumiger zu umfahren. Ich hatte nach den paradiesischen Fahrradwegen vom Vortag einfach keine Lust durch eine Grossstadt zu fahren. Von St. Genix fur ich hoch nach Les Abrets um ins Territorium Bièvre-Valloire, eines der 13 Territorien des Departements Isère, zu gelangen. Nach den Dörfern Le Grand Lemps, La Côte-St-André und Beaurepaire fuhr ich weiter nach Andance um dort wieder auf den Rotten zu trefffen. Ich kam gut voran, so dass ich bis nach Valence durchfuhr und dort auf dem Camping übernachtete.
Valence - Avignon (140 km; 7.5 h)
Der Start in Valence gestaltete sich weit aus angenehmer als befürchtet. Kaum vom Campinggelände weg traf ich auf einen Fahrradweg der mich sicher über de Brücke zur N86 führte. Im Gegensatz zur N7 hat es auf dieser Strasse relativ wenig Verkehr. Und ich blieb bis nach Pont-St-Esprit auf dieser Strasse. Anschliessend führte mich die Strecke durch St-Etienne-des-Sorts, Codolet nach Caderousse. Kurz nach Caderousse wurde ich von einem Rennvelofahrer eingeholt, der mir die Abzweigung zu einem Camping in der Nähe von Avignon zeigte. Dort stärkte ich mich für die letzte Etappe nach Arles. In der Nacht fing der Mistral heftigst an zu stürmen. Im Radio war die Rede von Windgeschwindigkeiten bis 80 km/h.
Avignon - Arles (70 km; 4 h)
Heute blies mich der Mistral über die Strassen nach Süden und ich war froh nicht in die andere Richtung radeln zu müssen. In Arles angekommen machte ich zuerst einmal noch einen Ausflug an die Pont Van Gogh. Anschliessend fand ich Unterkunft in einem Hotel.
Arles - Port St. Louis sur Rhône (60 km; 3 h)
Die letzte Etappe führte mich durch das Rhônedelta ans Meer. Die Fahrt durch die Camargue war wunderschön. Es war noch früh am Morgen, ausser ein paar Jägern und Bauern war noch niemand unterwegs. Vom Ufer aus liessen sich pinkfarbene Flamingos beobachten wie sie im Etang de Vaccarès nach Nahrung suchten. Das einzige was die Stimmung etwas trübte waren die Mücken, die sich bei jedem Stop gierig auf mich stürzten. Trotzdem war es ein Genuss durch diese Gegend nach Salin-de-Girod zu radlen. Dort angekommen nahm ich den Bac de Barcarin, eine seit 1933 bestehende Fährverbindung, um auf die andere Rhôneseite zu kommen. Fahrräder sind auf dieser Fähre gratis. Dann ging es weiter durch Port-St-Louis-du-Rhône zum Plage Napoléon. Und dann war ich am Ziel der Tour.
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